Die Zürcher Kirchensynode wird zum ersten Mal von einer Frau geleitet werden. Die Synodalen wählten am 28. November Simone Schädler aus Effretikon zur Präsidentin. Schädler übernimmt das Amt von Kurt Stäheli. Sie gehört der Evangelisch-kirchlichen Fraktion an. Als erste Vizepräsidentin wurde Barbara Bussmann von den Religiös-Sozialen gewählt. Die Kirchensynode billigte nach dem Gottesdienst das Budget 2018, genehmigte zwei Fusionen im Zürcher Unterland und hielt eine Aussprache darüber, ob sich die Landeskirche für die Durchführung eines Europäischen Kirchentages bewerben soll.

Die Zürcher Theologieprofessorin Christiane Tietz predigt im Gottesdienst in St. Peter, der am Anfang des Tages stand, über Paulus‘ Umgang mit der zerstrittenen Gemeinde in Korinth (1. Korinther 3,1-10). Die Korinther Gruppen sind je einzelnen Lehrern und Prägungen verhaftet; damit «lassen sie sich zu sehr vom allgemein Menschlichen und zu wenig vom Geist Jesu Christi bestimmen». Christus ist der Bezugspunkt, der Grund des Glaubens; ihn gilt es, so Tietz, in allem Vermitteln, in verschiedener Gestalt, zur Geltung zu bringen.

«Keiner in Korinth braucht auf die Art oder die Grösse seines Glaubens stolz zu sein.» Gott ist im Auf und Ab der Gemeinde präsent; die Christen, so verschieden sie sind, sind seine Mitarbeiter. Christiane Tietz betont: «Soll die Gemeinde lebendig bleiben, dann ist feste Speise für alle unverzichtbar» – das Wort vom Kreuz, wo alle menschlichen Werte umgewertet werden. Die Theologin wirft die Frage auf: «Wie wäre unsere Kirche, wenn wir uns immer wieder die Unentbehrlichkeit der Arbeit gerade des Anderen vor Augen führen würden?»

Drei Frauen auf dem Bock
Die wichtigste Wahl ist nach einem Rückzieher der Religiös-sozialen Fraktion nicht mehr umstritten: Die Ökonomin Simone Schädler (43), Kirchgemeindepräsidentin von Illnau-Effretikon, wird als erste Frau in dieses Amt gewählt. Sie wird das Zürcher Kirchenparlament mit der ebenfalls neugewählten Barbara Bussmann und Marianne Meier als Vizepräsidentinnen leiten. Das sorgfältige Wirken von Kurt Stäheli, der während fünf Jahren den Vorsitz geführt hat, wird gewürdigt und verdankt.

Für den amtsältesten Synodalen Andri Florin, der als erster Sekretär zurücktritt, wird die jüngste Synodale Katja Vogel gewählt. Der Jurist Stefan Kübler wird Mitglied der landeskirchlichen Rekurskommission.

Grössere Wolken am Horizont
Im Budget der landeskirchlichen Zentralkasse für 2018, das positiv abschliesst, werden keine Änderungen gefordert. Die Beiträge der Kirchgemeinden sollen um fast zwei Millionen Franken steigen, bei gleichem Beitragssatz. Zu reden geben im Rathaus die mittelfristigen Aussichten. Sollten die Staatsbeiträge für die Landeskirchen in der nächsten Sechsjahresperiode (ab 2020) gleich hoch bleiben, erhalten die Reformierten wegen ihres Mitgliederrückgangs einen kleineren Anteil. Für 2022 wird mit einem Einbruch der Unternehmenssteuern infolge der Steuerreform 17 gerechnet.

Der Synodepräsident regt angesichts der bevorstehenden «finanziell schwierigeren Zeiten» Sparbemühungen bei den Personalkosten an. Diese haben 85 Millionen Franken erreicht, 80 Prozent des Aufwands (davon 64 Prozent für Gemeindepfarrer). Laut Margrit Hugentobler von der Finanzkommission kann sich die Landeskirche nicht mehr alles leisten. «Kleinstgemeinden kosten uns überdurchschnittlich viel.» Die alternative Finanzierung von Stellen sei zu überlegen; Innovation gelte es zu fördern.

Die für Finanzen zuständige Kirchenrätin Katharina Kull schätzt, die Steuerreform 17 werde einen Viertel der Steuererträge von Unternehmen wegnehmen. Die Landeskirche gewährt den PfarrerInnen für 2018 einen Stufenanstieg, aber – anders als der Kanton – keinen Teuerungsausgleich.

Bei Fusionsprozessen genauer hinsehen: Daniel Reuter.

Neu: Kirchgemeinden Stadlerberg und Furttal
Diskussionslos und ohne Gegenstimmen genehmigt die Kirchensynode zwei Gemeindefusionen im Unterland: Stadel und Bachs vereinigen sich zur Kirchgemeinde Stadlerberg (1400 Mitglieder), Regensdorf, Buchs und Dällikon-Dänikon zur Kirchgemeinde Furttal (7900 Mitglieder). Das Abseitsstehen Weiachs am Stadlerberg kommentiert GPK-Präsident Bruno Kleeb mit der Bemerkung, finanzielle und theologische Unterschiede schienen die Haupthindernisse für Fusionen zu sein. Nicht fusionswillige Kirchgemeinden dürften nicht abgestraft werden.

Im Furttal zog sich Otelfingen-Boppelsen-Hüttikon im Laufe der Verhandlungen zurück – offenbar aus theologischen Gründen. Die Kompetenzen der neu geschaffenen Ortskommissionen sind laut Kleeb nicht bekannt. Für den Kirchenrat erklärt Daniel Reuter, inhaltlichen Differenzen sei weiterhin Beachtung zu schenken. Manchmal gelinge es nicht, Befürchtungen zum Verlust der Eigenart aufzunehmen. Was ist die Kirchgemeinde, was macht sie aus? Noch mehr gelte es daran zu arbeiten.

In der Versammlung kündigt sich die nächste Auseinandersetzung um KirchGemeindePlus an (am 16. Januar: Zusammenschluss in der Stadt Zürich). Auf eine Frage von Karl Stengel sichert der Kirchenrat Einsicht in die Vernehmlassungsantworten zur Teilrevision der Kirchenordnung zu.

Mangelnder Pfarrer-Nachwuchs
Kirchenratspräsident Michel Müller informiert, dass 2017/18 nur sieben Personen zum Pfarramt ordiniert werden. Der zweite Quereinsteigerkurs Quest (ab Herbst 2018) solle den absehbaren Pfarrermangel lindern. Wegen mehr Teilzeit-Stellen brauche die Kirche bei zwei Abgängen drei neue Pfarrpersonen.

Lukas Maurer bringt Kritik am «Credo von Kappel» an, das die Ordinierten sprachen. Er habe den Verdacht, «dass hier die Göttlichkeit Jesu bewusst unklar formuliert oder gar in Frage gestellt wird». Im weiteren, so Maurer, «streicht das Kappeler Bekenntnis unsere Auferstehung». Es gehe nur noch um die «Rettung» der Toten. Sehr problematisch sei zudem, dass der Text bloss einige Aspekte der Bibel nenne – im Gegensatz zum Zürcher Ordinationsgelübde.

Europäischer Kirchentag in Zürich?
Soll sich die Zürcher Landeskirche bewerben für die Durchführung eines europäischen Kirchentags nach 2020? Zu einem Papier des Kirchenrates – er engagiert sich in einem dafür gegründeten Verein – äusserten Synodale in einer Aussprache Bedenken und Wünsche. Die hohen Kosten (15 Millionen Franken – oder mehr?) wurden moniert, andererseits die Bedeutung eines überkonfessionellen Auftretens hervorgehoben. Für manche Synodale ist Strassburg der bessere Ort. Der Kirchenrat strebt eine Trägerschaft mit der römisch-katholischen Körperschaft des Kantons an.[/fusion_builder_column][/fusion_builder_row][/fusion_builder_container]

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