Ja zum verbindlichen kirchlichen Unterricht

3. Juli 2019 – Die Kirchensynode hat am 25. Juni unterstrichen, dass der Weg zur Konfirmation über ihre Unterrichts-Angebote führt. Diese beginnen in der 2. Klasse und bleiben verbindlich; in Einzelfällen will man flexibel handeln. Die Kirchensynode beschloss überdies eine Resolution zum Klimawandel und genehmigte die Verordnung, mit der eine kantonalkirchliche Mitgliederdatenbank eingeführt wird.

In vielen Familien werden die Geschichten der Bibel nicht mehr erzählt. Der Traditionsabbruch und das Ende des Schulfachs «Biblische Geschichte» bewogen die Landeskirche, nach der Jahrtausendwende das religionspädagogische Gesamtkonzept (rpg) zu erstellen. Während die Angebote für Kleinkinder und für Konfirmierte fakultativ sind, sieht die Kirche den Unterricht von der 2. bis 9. Klasse als Ganzes. Die Verpflichtung zum Besuch der Angebote soll bestehen bleiben.

Die Kirche reagiert auf den gesellschaftlichen Wandel: Michael Wiesmann.

Unterricht braucht Verbindlichkeit
Lukas Maurer hatte in seinem Postulat angeführt, die Kirche drohe mit der Nicht-Konfirmation, wenn nicht ab der 2. Klasse die Angebote besucht werden. Doch der Segen im Konfirmationsgottesdienst dürfe davon nicht abhängig gemacht werden. Der Kirchenrat legte im Papier die Facetten der Konfirmation dar; sie umfasst viel mehr als den Segen. Michael Wiesmann von der vorberatenden Kommission befürwortete, dass die kirchliche Unterweisung die Eltern in die Pflicht nimmt. Werde Kindern und Eltern mit Augenmass und Flexibilität begegnet, entfalle der drohende Aspekt der Verbindlichkeit. Kirchenrat Thomas Plaz betonte: «Es geht nicht um Disziplinierung – es geht um die Konsistenz der Inhalte.»

Lukas Maurer war mit der Antwort nicht zufrieden. So werde nicht das Evangelium verkündigt, sondern das Gesetz. Ihm gehe es um die «Verbindlichkeit des Evangeliums». Mit einem Anflug von Resignation bemerkte er: «Jede Jungschar ist erfolgreicher, Junge bei der Stange zu halten, als wir.» Willi Honegger führte dagegen ins Feld, früher habe ein starker gesellschaftlicher Druck bestanden, sich konfirmieren zu lassen. Jetzt nehme er wahr, dass die Verpflichtung als gegenseitige Abmachung gut ankomme. Die Synode stimmte dem Bericht mit einigen Enthaltungen zu und schrieb das Postulat ab.

Warum die Angebote von der 2. Klasse an Sinn machen: Kirchenrat Thomas Plaz.

Landeskirchliche Mitglieder-Datenbank
Die Daten der Mitglieder der Landeskirche sollen neu zentral gespeichert werden. Die Landeskirche wird sie künftig von der kantonalen Einwohnerdatenplattform beziehen, wodurch die Übernahme und der Datenabgleich vor Ort entfallen. Die Kirchgemeinden erfassen aber weiterhin die kirchlichen Handlungen an ihren Mitgliedern.

Die neue Datenbank, welche die Landeskirche und acht andere Kirchen von einer Aargauer Firma einrichten lassen, bewahrt die Daten der Mitglieder (zu Taufe, Trauung etc.) auch bei Umzügen. Anita Hayd von der vorberatenden Kommission bemerkte, für das Projekt «Lebenslang Mitglied bleiben» sei die Mitglieder-Datenbank wesentlich. Der Datenschutzbeauftragte sei frühzeitig einbezogen worden.

Die Vorlage wurde nach kurzer Debatte bei einzelnen Neinstimmen und Enthaltungen angenommen. Die Verordnung über das Mitgliederregister passierte mit Änderungen, welche die vorberatende Kommission gewünscht hatte, ohne Diskussion. Der Kirchenrat kann zu den aufgezählten Merkmalen selbst weitere hinzufügen.

Die Kirchensynode genehmigte zudem eine Änderung ihrer Geschäftsordnung, welche durch die Einführung des elektronischen Datenverwaltungssystems Axioma nötig geworden war. Es soll die Kommunikation im Kirchenparlament vereinfachen.

In der Muttersprache reformiert: Lidia Ritter von der Chiesa evangelica di lingua italiana.

Sonderfall Kirchgemeinschaften
Als Kirchgemeinschaften haben die französisch-, italienisch- und spanischsprachigen reformierten Gemeinden in der Landeskirche seit Jahrzehnten einen besonderen Status (Kirchenordnung Art. 177-179). Der Kirchenrat beantragte für die nächste Amtsdauer ihrer Pfarrer (2020-2024) einen Rahmenkredit. Vorgesehen ist ein Abbau der Pfarrstellen von bisher 305 % auf 180 % (bei Gleichstellung mit Kirchgemeinden hätten sie ab 2020 nur noch je 50 % zugut). Der Kirchenrat will laut Daniel Reuter weitere Änderungen mit den drei Kirchgemeinschaften besprechen.

Theddy Probst betonte, die Eglise, die Chiesa und die Iglesia (mit 622, 554 und 150 Mitgliedern) funktionierten anders als Ortsgemeinden. Ihre Integrationsarbeit sei zu würdigen; generell dürfe man Migrationskirchen nicht mit Kirchgemeinden gleichstellen. Die Kirche täte gut daran, «einen gastfreundlichen Ansatz zu wählen». Ruth Derrer Balladore bemängelte das Fehlen eines Angebots für englischsprachige Zuwanderer. Lidia Ritter von der Chiesa brachte in persönlichen Worten zum Ausdruck, was ihr die Gemeinschaft bedeutet.

Der Rahmenkredit für 2020-2024 in Höhe von 1,346 Mio. Franken (der dem Kirchenrat mehr Spielraum für Stellenprozente in Kirchgemeinden gibt) passierte nach weiteren Voten mit wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen. – Ein Postulat von Bernhard Neyer, das dem Kirchenrat die Möglichkeit gibt, das Feld neuer Gemeinden zu beleuchten, wurde überwiesen.

Handeln gegen den Klimawandel ist dringlich: Moni Müller.

Mitverantwortlich fürs Klima
Nach dem Nein in der April-Sitzung brachte Monika Müller erneut eine Resolution zum Handeln gegen den Klimawandel ein. Die Kirche solle Mut machen, Massnahmen zur Bewahrung der Schöpfung zu ergreifen. «Es ist Zeit zu handeln.» Die Kirche könne ihren Beitrag leisten durch Sensibilisierung in der Bildungsarbeit und durch sorgsame Liegenschaftenverwaltung. «Seien wir Samariter und nicht Pharisäer!»

Nach kurzer Debatte – darin ein Protest von Ivan Walther gegen die Verwechslung von grüner Politik mit der «Bewahrung der Schöpfung» und ein Diskussionsbeitrag des Fakultätsvertreters, Prof. Konrad Schmid – stimmte die Synode der Resolution zu. Damit das Schöpfungs-bewahrende Handeln im kirchlichen Unterricht Thema wird, nahm der Kirchenrat ein Postulat von Lukas Maurer entgegen.

Alle Geschäfte der Kirchensynode auf: www.zhref.ch/kirchensynode

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