Unterwegs zur Kirchgemeinde der Zukunft

Zusammenarbeit statt Fusion: Die Kirchgemeinden im Bezirk Hinwil erwarten vom Kirchenrat eine regional angepasste Umsetzung des Projekts KirchGemeindePlus (KGP). Dies wurde am ImpulsDialog in Hinwil am 7. November deutlich. Das Pfarrkapitel Hinwil hat im Oktober mit einer Stellungnahme „Zur Zukunft der Kirche“ eine Besinnung auf ihren eigentlichen Auftrag gefordert.

Lesen Sie den Bericht über den ImpulsDialog in Hinwil.

 

„ZusammenWachsen“ in unsicheren Zeiten

Wie gehen die Zürcher Reformierten an „KirchGemeindePlus“ heran – den Prozess, den der Projektleiter Martin Peier als „grösste Herausforderung für uns Reformierte“ bezeichnet? An den fünf Regionalkonferenzen mit je 150-200 Behördenmitgliedern, die im April 2013 stattfanden, folgten auf zwei anregende Referate kontroverse Diskussionen.

Lesen Sie Eindrücke von den Konferenzen in Winterthur und Uster.

 

Zürich: Eine Kirchgemeinde für 90‘000 Reformierte?

Vereinigen sich die 34 Kirchgemeinden in der Stadt Zürich zu einer ‚Stadtkirche‘ mit Teilgemeinden – oder wird die bisherige Struktur mit der Zusammenlegung kleiner Gemeinden und der Stärkung ihres Stadtverbands optimiert? Auf diese Alternative haben die Verantwortlichen das seit 2009 laufende Reformprojekt zugespitzt. Bevor die Zentralkirchenpflege Anfang Juli über das weitere Vorgehen entscheidet, finden in der Stadt neun Aussprachen statt.

Klar ist, dass es nicht so weitergehen kann. „Grosse Summen werden in Gebäude gebuttert, in denen 15 oder 18 Leute zum Gottesdienst kommen“, sagt ein Pfarrer. Die noch 92‘000 Reformierten der Stadt Zürich sollen zwischen zwei Modellen wählen: Das Modell Alpha sieht eine Kirchgemeinde Stadt Zürich mit Teilgemeinden (Orts- und Profilgemeinden) auf der lokalen Ebene vor. Das Modell Beta zielt auf einen stärkeren Stadtverband mit 17 grösseren Kirchgemeinden und neuen Profilgemeinschaften.

Schicksalsfrage für Quartiergemeinden

P1010748 st peter - rathaus - prime towerAlpha bedeutet, dass die Grenzen verschwinden und das ganze Stadtgebiet eine Kirchgemeinde wird. Der Reformierte geht als ihr Mitglied, wohin es ihn zieht; wichtige Kompetenzen gehen von den Quartierkirchenpflegen an eine ‚Stadtsynode‘ über, ein Parlament, welches über die Ressourcen verfügt. Im Modell Beta hingegen erhält der Stadtverband zwar mehr Kompetenzen (Finanzen, Personal, Liegenschaften), bleibt aber Verband und Dienstleister der Kirchgemeinden, welche weitgehend selbständig bleiben. Den kleineren Kirchgemeinden ist allerdings aufgegeben, sich zu grösseren mit regelmässig über 5000 Mitgliedern zusammenzuschliessen. Dies soll entlang den Grenzen von Stadt- und Schulkreisen geschehen.

Sparpotenzial

Die Projektverantwortlichen haben in einem 35-seitigen Papier Vor- und Nachteile der beiden Modelle dargelegt und abgeschätzt, was eingespart werden könnte. Die Zusammenlegung der Kirchenpflegen und aller Dienste sowie Mehrerträge aus Fremd-Vermietungen der Liegenschaften sollen schätzungsweise Einsparungen von neun Millionen Franken jährlich bewirken. Im Kreis 6 werden die Reformierten nicht weiter vier Kirchen (spärlich) nutzen; das mache keinen Sinn, sagt Jean Bollier, der die Reformkommission seit Beginn 2009 leitet. Der Verwaltungsaufwand werde sinken.

Eigenständig bleiben

Grössere Gemeinden werden die Aufgaben in den vier Handlungsfeldern der Kirche wieder erfüllen können, was auch die Behördentätigkeit attraktiv mache. Bollier, Präsident der Kirchgemeinde Höngg (6500 Mitglieder), betont im Gespräch, dass diese wie auch andere grössere Kirchgemeinden weiter arbeiten wollten. „Wir können doch unsere Höngger Kirche auf dem Hügel nicht der Stadt abgeben. Das wird nicht geschehen.“ Es sei unvorstellbar, dass die Kirchgemeinden auf ihre Kirchen verzichteten.

Viele Pfarrer für die Stadtkirche

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Jean Bollier während einer Synodepause 2008.
Jean Bollier während einer Synodepause 2008.

Während Bollier mit hörbarem Stolz auf seine Kirchgemeinde das Modell Beta vertritt, hat Pfr. Roland Diethelm die Pfarrschaft der Stadt vor einem Jahr dazu gebracht, Alpha zu befürworten. Dies gelte auch für die Mehrheit der Diakonînnen und Diakone, die Hälfte der Behörden, die Bezirkskirchenpflege und den Verbandsvorstand, schreibt Diethelm, Leiter einer der Reform-Arbeitsgruppen, auf Anfrage.

Beta sei kein Reformmodell, sondern führe in die Handlungsunfähigkeit, Alpha dagegen erhöhe „die Lesbarkeit der Kirche als Landeskirche“. Die reformierte Kirche bleibe auch bei der Vereinigung zu einer stadtweiten Kirche „Gemeinde-förmig“. Es gebe „eine aufs Programm konzentrierte lokale Ebene“ mit wenig Verwaltungsarbeit, schlankere Behörden und eine „demokratische, aber handlungsfähige“ Stadtsynode, welche die Verwendung der Mittel beschliessen und die Liegenschaften bewirtschaften wird. Sowohl Ortsgemeinden wie neue Gemeindeformen (fresh expressions) sind nach Diethelm, der neu Gottesdienst-Beauftragter der Zürcher Landeskirche ist, „unter dem Dach der einen Kirchgemeinde gut möglich“.

Mehr für Lebenswelten?

Im Modell Alpha hat die den Gemeinde-Pfarrerinnen und -Pfarrern im Quartier zugeordnete Pflege weniger Kompetenzen. So hofften Pfarrer Freiraum zu gewinnen, äussert Jean Bollier. Andere wollten durch Milieu-Orientierung Profil gewinnen – was die Stadtkirche eher ermöglichen soll. Doch, so Bollier, „sollte der Entscheid für Alpha fallen, haben Kirchgemeinden nicht mehr viel zu sagen“.

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Roland Diethelm während einem Synode-Votum.
Roland Diethelm bei einem Synode-Votum.

Er verweist auf das Gutachten der Staatsrechtler Tobias Jaag und Markus Rüssli, das der Stadtverband in Auftrag gab. Roland Diethelm lässt dies nicht gelten: Die Pfarrer hätten weiterhin eine „qualifizierte, von der Teilgemeinde gewählte und aufs Programm konzentrierte Behörde“. Und Gemeinden wie Höngg könnten auch bei Alpha ihre Stärken weiter ausspielen.

„Es braucht richtig gute Gottesdienste“

Gut an den Reformvorschlägen ist für Niklaus Peter, dass die Stadt als Ganzes in den Fokus kommt. Der Fraumünsterpfarrer, unter dessen Kanzel sich die grösste reformierte Predigtgemeinde Zürichs versammelt, hält zugleich fest, letztlich lebe „die Kirche aus dem Gottesdienst heraus“. Schärfe die Sinus-Studie den Blick für Milieus, so werde es für die Belebung der Kirche in der Zwinglistadt doch vor allem „richtig gute Gottesdienste und Gemeindearbeit“ brauchen.

Hohe Hürden und mehr Zeitbedarf für Alpha

Nicht unerheblich bei der Abwägung der beiden Modelle ist, dass für Alpha neben der Kirchenordnung auch das kantonale Kirchengesetz und weiteres staatliches Recht geändert werden müssten, was mehrere Jahre erfordert. Für die Schaffung eines Kirchgemeinde-Parlaments gibt es keine gesetzliche Grundlage; sie müsste von den Reformierten des Kantons genehmigt werden. Ein Knackpunkt bleibt die Pfarrwahl – wesentlich für den dem helvetischen Föderalismus entsprechenden Aufbau der Kirche von unten: Eine Wahl durch die Teilgemeinde oder durch die Stadtsynode ist im Recht nicht vorgesehen; die Urnenwahl von „100 und mehr Kandidatinnen und Kandidatinnen“ durch die Stimmberechtigten der ganzen Stadtkirchengemeinde Zürich wäre laut Jaag/Rüssli problematisch.

Im Frühjahr muss die Zentralkirchenpflege, zusammengesetzt aus je zwei Vertretern der 34 Kirchgemeinden, beschliessen, wie über die Reform entschieden werden soll. Laut Gutachten fällt der Grundsatzentscheid über die Neuorganisation in die Kompetenz der 34 Kirchgemeinden.

Website zur Strukturreform der Stadtzürcher reformierten Kirchgemeinden

(Dieser Text wurde am 27. März 2013 aktualisiert.)[/fusion_builder_column][/fusion_builder_row][/fusion_builder_container]

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